Historische Einsätze

In Zeiten in denen der Technische Fortschritt für uns selbstverständlich ist, kann man sich nur schwer vorstellen das z.B. im Jahr 1911 ein berittenes Löschfahrzeug eine ganze Stunde im Stadtgebiet brauchte bis es an der Einsatzstelle ankam. 

Von Brückeneinstürzen bis Gefahrguteinsätzen, auf dieser Seite haben wir für Sie eine kleine Auswahl an Historischen Einsätzen zusammengetragen.

1911 Brand im Lehrerinnenseminar auf dem Oberwerth

1911 vernichtet ein Großfeuer den Dachstuhl des Lehrerinnenseminars auf dem Oberwerth. In der Nacht zum 26. März um 05:33 Uhr wird das Feuer über den Feuermelder Schenkendorfplatz gemeldet. Die ersten vorrausgeschickten Einheiten sind mit dem Fahrrad um 06:00 Uhr vor Ort. Ihre Aufgabe ist die Suche nach der genauen Lage des Brandes. Die restlichen 15 Feuerwehrmänner treffen kurze Zeit später ein.

Das ehemalige Lehrerinnenseminar ist heute ein Gebäude der Uni auf dem Oberwerth.

 

 

Damals müssen die Zugpferde bei Alarmierung erst noch beim Fuhrhalter Harnischfeger abgeholt werden. Dann werden die mit Kohle befeuerten Dampfspritzen und ein Kohleanhänger mühselig zum Einsatzort gebracht. Das erste Pferdegespann trifft um 06:25 Uhr an der Einsatzstelle ein, also erst eine ganze Stunde nach dem ersten Notruf.

Am 11. Oktober 1911 wird die Berufsfeuerwehr Koblenz gegründet. Das erste Feuerwehrautomobil nimmt ein Jahr später seinen Dienst auf.

Blick auf das Lehrerinnenseminar aus Richtung der Rheinwiesen. Der gesamte Dachstuhl wurde bei dem Brand vernichtet.

Auszug aus der "Coblenzer Zeitung" vom 23.März 1911:

Aus Stadt und Land

Coblenz, 23. Mä

Der Brand des Lehrerinnenseminars

Die 1. Meldung am 21. ds erfolgte um 5 Uhr 32 Minuten, die 2. Meldung um 5 Uhr 33 Min., also nicht um 5 Uhr, sondern eine halbe Stunde später. Feuerwehrleute sind bereits vor 6 Uhr am Brandplatz gewesen, also verhältnismäßig rasch.

[...]

Auf eine Frage von General Bigge erklärte Oberbürgermeister Ortmann noch, daß der Feuermelder Mainzerstraße 115 für Oberwerth außerordentlich zweckmäßig  liege. Auf Oberwerth einen eigenen Feuermelder anzubringen, sei vorläufig nicht angezeigt, da Oberwerth nur von 10 Familien, abgesehen von dem Seminar bewohnt sei, die alle zu dem Feuermelder in der Mainzrstraße sehr günstig liegen. Die Entfernung von diesen sei auch nicht größer, als die Feuermelder sonst in der Stadt von einander entfernt sind.

[...]

1968 "Casino zu Koblenz" in Flammen

Um kurz nach 04:00 Uhr des 05.08.1968 meldet eine Polizeistreife ein Feuer in einem Lagerhaus. Das Gebäude, das sich an der Stelle des heutigen Löhr-Centers in Koblenz befindet, brennt schon lichterloh. Die unter Atemschutz vorgehenden Trupps haben es aufgrund der Hitzeeinwirkung schwer, in das Gebäude einzudringen. In den oberen Stockwerken fangen 60 gelagerte LKW Reifen und 40 Tonnen Packpapier Feuer. Die ersten vier eingesetzten C-Rohre zeigen kaum Wirkung. Erst nach 10 Stunden Einsatzdauer können die ersten Trupps zum Innenangriff vorgehen.

26.10.1970 Orgelbrand in der Florinskirche

Ein Passant meldet um 04:20 Uhr des 26.10.1970 ein Großfeuer in der Florinskirche in der Koblenzer Altstadt. Bei Ankunft an der Einsatzstelle dringt aus den schon zum Teil zerborstenen Portalfenstern starker Rauch. Ein sofort eingeleiteter Löschangriff über die Drehleiter wird wenig später durch einen unter Atemschutz vorgehenden Trupp ergänzt.

Beim Eintreffen des Löschzuges steht bereits die Orgelanlage und die Bestuhlung im ersten OG in Flammen. Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Florinskirche ist eines der ältesten sakralen Bauwerke in Rheinland Pfalz.

Die weitere Erkundung ergibt, dass Bestuhlung und Orgel in der Empore in voller Ausdehnung brennen. Kurze Zeit später wird der Brand aus 5 C-Rohren bekämpft. Infolge der starken Hitzeeinwirkung gerät eine über dem Gewölbe liegende Holzdecke in Brand und fällt brennend in das Mittelschiff der Kirche. Um 07:00 Uhr ist die Brandbekämpfung weitgehend beendet. Die Nachlöscharbeiten dauern aber noch bis 13:00 Uhr an.

Die Brandursache:

Um die Luftfeuchtigkeit konstant zu halten, hatte der Organist der Kirche einen Tauchsieder in einen wassergefüllten Zinkeimer eingesetzt und eingeschaltet. Nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der Tauchsieder nicht abgestellt und das Schicksal nahm seinen Lauf.

In Anbetracht der Tiefe der Rauchgrenze muss man von einem lang anhaltenden Schwehlbrand ausgehen.

Der Auszug aus dem unten angeführten Schreiben der evangelischen Kirchengemeinde an den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz macht das Schadensausmaß deutlich:

 … Das Ausmaß des Schahdens, abgesehen von der völlig Zerstörten Orgel, ist leider noch nicht zu übersehen. Wir müssen allerdings befürchten, daß er weit über das hinausgeht, was wir zunächst angenommen haben.

An dieser Stelle darf ich auch noch einmal den Dank des Presbyteriums für de sehr schnellen und umsichtigen Einsatz der Berufsfeuerwehr aussprechen. Ihm ist es wohl zu verdanken, daß nicht noch größerer Schahden im Dach und in den Türmen der Kirche angerichtet wurde …

Quelle: Brief vom 02.11.1970 von der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte an den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz.