Historisches - Geschichte der Koblenzer Feuerwehr

lm Mittelalter und in der Neuzeit bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war die Feuerbekämpfung Sache aller Koblenzer Bürger, nicht Aufgabe einer Spezialeinheit, wie wir sie heute in der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr besitzen. Zur Brandbekämpfung dienten unzureichende Mittel: Ledereimer und Wasserbütten, Feuerleitern und Einreißhaken, Wagen für den Transport von Bütten und so genannte Feuerspritzen. Die Eimer wurden von Hand zu Hand gereicht, soweit Wasser aus den benachbarten Brunnen oder von Flüssen herbeigeschafft werden konnten. Bei Feuersbrünsten in den engen Gassen mit dicht bei einander stehenden

Fachwerkhäusern konnte das Feuer nur unzureichend bekämpft werden. Die Häuser brannten oft straßenweise ab. Die Aufgabe der das Feuer bekämpfenden Bürger bestand vor allem darin, das Übergreifen des Feuers auf andere Häuser und Straßenzüge zu verhindern. Von Bränden in Koblenz, die sich seit dem Dreißigjährigen Krieg ereigneten, ist die Beschießung der Stadt 1688 durch französische Artillerie besonders erwähnenswert. Ein Großbrand vernichtete 223 von insgesamt 300 Häusern der Altstadt. Das Feuerwehrwesen unterstand damals dem Stadtwachtmeister Stefan Bachem, Kommandant der wenigen Stadtsoldaten und des Koblenzer Bürgeraufgebots.

Bis 1713 war er für das Feuerwehrwesen in Koblenz verantwortlich. Sein Nachfolger im Amt war Jakob Queng. 1721 war eine "Feuer-Ordnung" erlassen worden, die aber von der "Erneuert- und verbesserten Feuer- und Brand-Ordnung der Stadt Coblentz De Anno 1738" abgelöst wurde. Auf einige, die Koblenzer Bevölkerung betreffende Anordnungen sei näher eingegangen. Die Koblenzer Brunnennachbarschaft hielt einen Brunneneimer mit dem notwendigen Brunnenseil für die Brandbekämpfung bereit. Für diese Geräte trugen die jährlich gewählten Brunnenmeister die Verantwortung. Zum Wassertransport standen je zwei Bütten Wasser auf Schlitten bereit, und zwar am Kastorbrunnen, am Brunnen auf dem Florinsmarkt, am Brunnen auf dem Plan und am Brunnen auf dem Altengraben. Außerdem hatte man für den Wassertransport zwei Wagen mit einem Wasserfass zur Verfügung. lm Sommer, wenn die Brunnen wenig Wasser gaben, mussten diejenigen Hausbesitzer, die über eigene Brunnen verfügten, eine Bütte voll Wasser bereithalten.

Die Brunnenmeister kontrollierten dies wöchentlich. Der Stadtrat besichtigte vierteljährlich die Feuerspritzen, Ledereimer, Leitern und Feuerhaken. Die Feuerspritzen waren über die ganze Stadt verteilt: am Rathaus (Altes Kaufhaus), auf dem Franziskaner-Kirchhof, auf dem Plan, dazu Brandleitern am Rheintor und auf dem Altenhof. Der Feueralarm wurde durch drei Kanonenschüsse gegeben, anschließend durch Glockenläuten und Trommelschlag in der ganzen Stadt verbreitet, damit "jedermann dadurch zur Hülffleistung aufgemundert werde." Vor allem von den Stadträten und Offizieren der Bürgerwehr erwartete man, dass sie sich tatkräftig beim Brandlöschen einsetzten. Diese Feuerordnung war an alle Stadträte, Stadthauptleute, Leutnante und Fähnriche ausgegeben worden. Auf den Zunftstuben musste ebenfalls ein Exemplar deponiert werden. Viermal im Jahr wurde die Feuerordnung öffentlich verlesen. Als preußische Beamte 1816 erstmals einen Brand in Koblenz, der in der Pfuhlgasse ausgebrochen war, erlebten, waren sie baß erstaunt, auf welche Weise die Koblenzer sich anschickten, etwas gegen das Feuer zu unternehmen. Eine Rüge des Polizeidirektors Weber an Oberbürgermeister Mazza blieb nicht aus: "Die königliche Regierung hat mit Erstaunen und Missfallen bei dem letzten Brande in der Pfuhlgasse die Unvollständigkeit der Löschanstalten und den gänzlichen Mangel an Ordnung und leitender Aufsicht bemerkt." Verantwortlich für die Feuerwehrgerätschaften war damals der alte Schuhmachermeister Dommermuth, der gegen ein Entgelt die Eimer und Schläuche aus Leder flickte. Der Stadtrat nahm die Kritik des Polizeidirektors ernst und beschloss, dass ständig 1.000 Ledereimer einsatzbereit sein müssten. Zunächst stützte man sich in Koblenz bei Feuerausbrüchen auf die in Garnison liegenden Pioniere, die sich in solchen Fällen glänzend bewährten. Als aber im Sommer 1848 zu befürchten war, dass die Pionierabteilung Koblenz verlassen würde, gründete Oberbürgermeister Bachem aus gedienten Pioniersoldaten und Technikern eine Feuerwehr, "Pompierkorps" genannt, das wegen seiner Sympathie für die damalige Revolution in Deutschland bekannt war. Das Korps bestehend aus zirka 300 Mann und auf vier Stadtteile verteilt, stand unter Führung des Wasserbauinspektors van Bergh. Als Uniform trugen die Feuerwehrleute graue Jacken und Hosen mit ledernem Gürtel und eine Sturmhaube.

Wegen Meinungsverschiedenheiten in der Frage des Signalgebens durch ein Horn, wogegen das Militär Einwände hatte, löste sich das erste Koblenzer Feuerwehrkorps schon 1849 wieder auf. 1852 beschloss der Stadtrat, für die vorhandenen acht Spritzen eine gleiche Zahl von Spritzenmeistern zu ernennen, im übrigen einige Maurer- und Zimmermeister zu engagieren, die gegen Bezahlung Brände bekämpften. Der wichtigste Brandschutz jener Zeit war jedoch ein ausreichende Vertrag mit einer Feuerversicherungsgesellschaft.   Und es soll wiederholt vorgekommen sein, dass der Besitzer eines brennenden Hauses die Tätigkeit der Feuerwehr eher behinderte als förderte, denn völlig abgebrannte Häuser wurden eher von der Versicherungbezahlt. Weil sich der Stadtrat schwer tat, eine durchgreifende Lösung des Löschwesens herbeizuführen, erging im Juli 1853 ein Entscheid der Regierung, "dass die Stadt die Verpflichtung habe, der Polizeidirektion alle zur Unterdrückung von Feuer notwendigen Menschenkräfte und Gebrauchsgegenstände zur Verfügung zu stellen, sei es durch freiwillige Leistung der Bürgerschaft oder gegen Bezahlung der erforderlichen Kräfte.

" Man entschied sich im Stadtrat für die kostenfreie Regelung und stellte auf dieser Grundlage zwei Feuerwehrordnungen auf, wonach jeder Bürger zum Feuerwehreinsatz verpflichtet war oder sich für 20 Silbergroschen freikaufen konnte. Doch auch diese Lösung brachte nur Misserfolge, so dass auf Weisung der Regierung 1856 ein geordnetes Feuerlöschkorps, das von der Polizeidirektion beaufsichtigt wurde, gegründet werden sollte. Nach der neuen Feuerwehrordnung von 1857 bestand die Feuerwehr aus zwei Mannschaften, eine zum Löschen und eine zum Retten. Die Mannschaften wurden jedoch zu schlecht besoldet und zeigten kein großes Interesse für ihre Aufgabe. Am 1. Juni 1874 genehmigte die Regierung eine Löschordnung, die alle vorangegangenen Provisorien ablöste und sich über mehrere Jahrzehnte bewährte. Statt derfrüheren Pflichtfeuerwehr, bestehend aus der gesamten Bürgerschaft, gab es jetzt eine freiwillige Wehr, wie sie allenthalben in den umliegenden Städten und Gemeinden gebildet wurde. Eine ständige Feuerwache, bestehend aus einem Führer und zehn Mann, wurde seit 1910 im ehemaligen Rathaus am Plan untergebracht. Zu dieser Zeit bestand die Koblenzer Feuerwehr aus 82 Mann (1 Branddirektor, 1 Oberbrandmeister, 3 Brandmeistern, 6 Abteilungsführern und 3 Zügen). Das Hauptdepot lag am Plan, Nebendepots bestanden in der Schenkendorfstraße, in Lützel, Neuendorf und Moselweiß. Dazu gab es seit 1889 auf Ratsbeschluss eine Wasserwehr, um bei Hochwasser der Bevölkerung helfen zu können. Sie wurde vor allem in dem Teil der Altstadt eingesetzt, der als "Seestadt" besonders schnell vom Hochwasser erreicht und überschwemmt war. Zu dieser Zeit wurde an den Brandstellen noch vorwiegend mit Einreisshaken "gelöscht", mit dem die stehengebliebenen Giebel und Mauern eingerissen wurden, um - wie schon angedeutet - alle Schwierigkeiten vor der Verhandlung mit der Feuerversicherung bereits aus dem Wege geräumt zu haben. Die Einführung der zentralen Wasserversorgung brachte erstmals eine ausreichende Grundlage für jeden Feuerwehreinsatz.

Bei ausreichenden Wassermengen wurde der Einsatz der Feuerwehr immer wirkungsvoller. Zu dieser Zeit machte aber auch noch der Fußdienst mit Exerzierübungen einen beträchtlichen Teil der Wehrübungen aus, denn mit Stolz trug die Feuerwehr militärische Uniformen. Besonders schwer war die Situation der Feuerwehr in den Kriegsjahren 1944 und 1945, als die meisten jungen Männer im Krieg waren, und der Schutz der Stadt in den Händen der älteren Bewohner lag. Damals wurde Koblenz durch Luftangriffe zu 87 Prozent zerstört.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde auch die Koblenzer Feuerwehr wieder aufgebaut und entwickelte sich synchron zum Wirtschaftswachstum zu einer modern ausgerüsteten und leistungsfähigen Wehr. lm Jahre 1973 wurde die neu errichtete Feuerwache in der Schlachthofstraße bezogen. Der Umzug war notwendig geworden, weil die idyllisch gelegene Wache Am Plan mitten in der Altstadt sehr verkehrsungünstig lag und zudem für den wachsenden Fahrzeugpark zu eng wurde.

Heute gehören 103 Mitarbeiter zum Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Darüber hinaus engagieren sich hunderte Feuerwehrleute in den Einheiten der freiwilligen Feuerwehr. In 8 Einheiten werden zur Zeit 80 Mädchen und Jungen auf ihre aktive Tätigkeit vorbereitet. lm Jahr 1994 rückte die Feuerwehr zu insgesamt 1.836 Einsätzen aus. Dabei handelte es sich in 325 Fällen um Brände, der Rest betraf überwiegend Hilfeleistungen.

Foto von Herrn Wolfgang Floitgraf: Fahrzeugparade vor der alten Feuerwache in der Koblenzer Altstadt um ca. 1964